Bienen, Hummeln, Hornissen, Wespen & Co sind nützlich für den Naturhaushalt


Hornissen nutzen auch Nistkästen als QuartierWie jedes Jahr wird der NABU in den Sommermonaten mit Anfragen nach der Gefährlichkeit von Hornissen- und Wespennestern geradezu überhäuft. „Viele Anrufer sind einfach unsicher, ob von solchen Nestern und Ihren Bewohnern Gefahren ausgehen“,erläutert Waldemar Wachtel vom NABU. „In den meisten Fällen reicht ein Telefongespräch mit den Erläuterungen aus dem Leben und dem Nutzen dieser sogenannten Hautflügler bereits aus, um Besorgnisse auszuräumen – viele Anrufer sind sogar interessiert, mehr über das Leben und den Lebenszyklus der genannten Arten zu erfahren“, berichtet Wachtel weiter.

Vielen ist beispielsweise gar nicht bekannt, dass diese Insektenvölker nur wenige Monate existieren. Im Spätsommer schlüpfen die neuen „Königinnen“, die sich nach dem sogenannten Hochzeitsflug Reserven für den Winter anfressen, um dann an frostfreien Orten wie Mauerritzen, Holzstapeln oder Dachböden zu überwintern. „Im Frühjahr erwachen sie dann zu erneutem Leben und beginnen an einer geeigneten Stelle den Bau eines neuen Nestes. Alte Nester des Vorjahres werden nicht wieder besiedelt“, berichtet Wachtel. „Die ersten Larven werden noch von der Königin selbst herangezogen – in der Folgezeit übernehmen dies die sogenannten Arbeiterinnen“. Im August haben solche Völker dann typischerweise die größte Individuenzahl.

Hornissen, Hummeln und die rote Waldameise stehen unter Naturschutz. Die Zerstörung der Nester dieser Arten ist eine Straftat nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG). „ Darüber hinaus sollten auch andere Insektenvölker nicht gestört oder mutwillig zerstört werden. Es ist klar, dass die Tiere dann alles tun, um ihre Brut zu verteidigen“, so Wachtel. „Mit einem Sicherheitsabstand von zwei bis drei Metern lässt sich in der Regel  aber auch mit Wespen, Hummeln und  Hornissen auf gute Nachbarschaft für einen Sommer leben. Von sich aus sind die Tiere keineswegs als aggressiv einzustufen. Geschichten über ihre Gefährlichkeit sind in der Regel nicht zutreffend. Wachtel berichtet, dass er seit Jahren Hornissen-, Hummel- und Wespennester in seinem Garten duldet und noch nie gestochen wurde, obwohl er sich auch teilweise in deren Nähe aufhält. Lediglich bei Kleinkindern und Personen mit Allergien gegen Insektenstiche ist mehr als die übliche Vorsicht anzuraten.

Bedenken Sie bitte, dass diese Hautflügler nützlich sind. Hornissen und Wespen vertilgen viele Schadinsekten im Garten und Bienen/Wildbienen sowie Hummeln bestäuben insbesondere unsere Obstbäume, Stauden und andere Blühpflanzen. In vielen Teilen der Welt besteht bereits ein Bestäubungsmangel wegen des Mangels an Hautflüglern. Selbst in deutschen Obst- u. Weinanbaugebieten müssen bereits Bienenvölker angemietet werden.

Für Beratungen zum Thema Wespen und Hornissen sind die Naturschutzbeauftragten der Region Hannover zuständig. Auch der NABU bietet in einigen Gruppen der Region Beratungen zu Bienen, Wespen und Hornissen an.

Ansprechpartner finden Sie unter:

Naturschutzbeauftragte der Region Hannover

NABU Ansprechpartner für Hornissen / Wespen

Bundesamt für Naturschutz legt ersten Artenschutz-Report vor

Titelbild des Artenschutz-Report 2015 © BfNDas Bundesamt für Naturschutz (BfN) stellt heute zum ersten Mal einen umfassenden Artenschutz-Report vor. Hierin nimmt das BfN eine Analyse der in Deutschland lebenden Tier-, Pflanzen- und Pilzarten vor. Der Report gibt einen Überblick, wie viele Arten in Deutschland leben, wie hoch der Anteil der gefährdeten Arten ist und wie sich die Artenvielfalt in den letzten Jahren entwickelt hat. Er macht aber auch deutlich, wo im Artenschutz Erfolge zu verzeichnen sind und worauf diese sich zurückführen lassen. Damit liefert der BfN-Artenschutzreport eine wichtige Analyse, um gefährdete Arten identifizieren und schützen zu können. Das BfN legt den Fokus auf acht Bereiche, in denen ein dringender Handlungsbedarf festzustellen ist und schlägt zentrale Maßnahmen zum Artenschutz vor.

„Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend, denn ein Drittel der auf Roten Listen erfassten Arten ist im Bestand gefährdet und weitere Arten sind sogar schon ausgestorben. Damit wird bislang auch das nationale Ziel verfehlt, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten, “ fasste BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel den Artenschutz-Report zusammen. „Wir müssen dringend unsere Anstrengungen verstärken, um den Artenrückgang zu stoppen“, so Jessel.

Deutschland beherbergt rund 48.000 Tierarten, 9.500 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten. In der Roten Liste Deutschlands wurden mehr als 32.000 heimische Tiere, Pflanzen und Pilze hinsichtlich ihrer Gefährdung untersucht. Dabei zeigt sich ein ernüchterndes Bild: Rund 31% wurden als bestandsgefährdet eingestuft, 4% sind bereits ausgestorben.

Von den aktuell untersuchten 11.000 Tierarten sind 30% bestandsgefährdet und 5% ausgestorben. Fast 28% der Wirbeltierarten, die Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere umfassen, sind aktuell bestandsgefährdet. Bei den wirbellosen Tieren, zu denen beispielsweise die Insekten gehören, gelten sogar 45,8% der bislang 6.057 untersuchten Arten und Unterarten als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben. Außer bei den Säugetieren sind bei diesen Zahlen die marinen Organismen nicht berücksichtigt. Die aktuelle Situation der Brutvogelarten hat sich in den letzten Jahren spürbar verschlechtert: Über die letzten zwölf Jahre nahmen 34% der Brutvogelarten in ihrem Bestand mehr oder weniger stark ab. Über 23% der Zugvogelarten sind bestandsgefährdet und stehen auf der Roten Liste der wandernden Vogelarten.

Der Kiebitz gehört zu den Verlierern der letzten 25 Jahre. Foto: © Ricky StankewitzAn vorderster Stelle der Ursachen für die Gefährdung der Arten stehen intensive Formen der Landbewirtschaftung. Weitere wesentliche Gefährdungen liegen in der Forstwirtschaft, Wasserbau und Gewässerunterhaltung, Baumaßnahmen sowie Sport- und Freizeitaktivitäten. Unter den 25 wichtigsten Gefährdungsursachen dominieren damit Maßnahmen, die mit einer Intensivierung der Nutzung von Natur und Landschaft und damit einhergehenden Veränderungen bzw. der Zerstörung der Lebensräume verbunden sind. Aktuell spielt der Klimawandel noch keine große Rolle als Gefährdungsursache. Das BfN geht jedoch davon aus, dass dieser Einfluss bei fortlaufender Klimaänderung zunehmen wird. Ursächlich für die Gefährdung der marinen Organismen sind vor allem die Fischerei, Lebensraumveränderungen, Schadstoffeinträge und Aquakulturen.

Um den Artenrückgang zu stoppen, sind weiterhin große Anstrengungen im Artenschutz erforderlich. Das BfN fordert gezielte Einzelmaßnahmen für besonders gefährdete Arten und solche Arten, für deren Erhaltung Deutschland eine besondere Verantwortung hat. Dringend notwendige artübergreifende Schutzmaßnahmen umfassen nach Einschätzung des BfN die Erhöhung der Lebensraum- und Strukturvielfalt in der Landschaft, wie beispielsweise den Erhalt von Grünland, die Einrichtung ungenutzter Pufferstreifen um Landschaftselemente und Äcker, naturnahen Waldbau, Wiedergewinnung von Auenflächen durch Deichrückverlegungen, Wiedervernässung von Mooren und eine ökosystemverträgliche, nachhaltige Fischerei. Zudem ist das Vorhandensein nutzungsfreier Wälder unverzichtbar, um das gesamte Spektrum der Artenvielfalt zu erhalten. Denn zahlreiche Flechten, Moose und Pilze oder Totholz bewohnende Käfer sind für ihren Fortbestand auf solche Waldformen angewiesen.

Ungeachtet der auch weiterhin notwendigen Anstrengungen gibt es aber auch sichtbare Erfolge beim Schutz einzelner Arten. Sie sind vor allem dort festzustellen, wo gezielte Artenschutzmaßnahmen zum Einsatz kamen (etwa bei Vogelarten wie dem Schwarzstorch oder dem Seeadler), wo Schutzgebiete wichtige Rückzugsräume bildeten und zudem gut gemanagt wurden (z.B. beim Schutz der Flussperlmuschel) oder wo durch vertragliche und hinreichend finanziell ausgestattete Maßnahmen Naturschutzkonzepte in der Agrarlandschaft umgesetzt wurden (etwa bei Wiesenbrüterprogrammen oder Ackerrandstreifenprojekten, die Vogelarten wie der Uferschnepfe oder dem Braunkehlchen und Wildkräutern wie der Kornblume zugutekamen). Dies belegt, dass sich gezielte und langfristige Naturschutzmaßnahmen auszahlen. Insbesondere bei einigen Tierarten wie Biber, Wildkatze und Wolf konnten strenge gesetzliche Schutzbestimmungen, Maßnahmen zur Verbesserung bzw. Neuschaffung ihrer Lebensstätten oder Wiederansiedlungsprojekte deutliche Erfolge erzielen. So wird der aktuelle Bestand an Wildkatzen in Deutschland derzeit wieder auf 5.000 bis 7.000 Tiere geschätzt. Das BfN sieht hierin eine Bestätigung bisheriger Schutzbemühungen, die auch weitere Maßnahmen sinnvoll erscheinen lassen, zumal von solchen Schlüsselarten zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten profitieren.

Der vorgelegte Artenschutzreport gibt wichtigen Aufschluss über die Gründe, die im Artenschutz zu Gefährdungen und zu Erfolgen führen. Er stellt damit eine wichtige Grundlage für den Schutz der Arten dar. Eine genaue Erfassung und Entwicklungsanalyse mit verlässlichen und umfassenden Daten ist unverzichtbar, um gefährdete Arten zu identifizieren, zu schützen und damit dem Verlust der Artenvielfalt in Deutschland entgegenzutreten.

Quelle: Pressemitteilung des BfN, 20.05.2015

Weitere Informationen:

Hier kann der Artenschutz-Report heruntergeladen werden:
https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/presse/2015/Dokumente/Artenschutzreport_Download.pdf

Internetseite des BfN:
http://www.bfn.de/

Flughafen Hannover-Langenhagen: Umweltdezernent schließt Bejagung von Störchen wegen Vogelschlagrisiko aus – Vergrämung vor Abschuss

Für den Umgang mit Weißstörchen im Umfeld des Flughafens werden Lösungen gesucht. Foto: R. StankewitzHannover/Langenhagen – Sollte die Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH aus Gründen der Flugsicherheit beantragen, Weißstörche im Umfeld der Start- und Landebahnen abschießen zu dürfen, werde die Region Hannover dies umfassend prüfen, kündigte am 26. August 2015 Umweltdezernent Prof. Dr. Axel Priebs an. Priebs reagiert damit auf entsprechende Berichte in den Medien: "Es wäre verantwortungslos, sich mit diesen Konflikten nicht auseinander zu setzen. Die Vorstellung einer regelrechten Bejagung von Störchen ist aber absurd“, so Priebs weiter.

Derzeit führt die Region Hannover mit der Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH, dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie dem Weißstorchbeauftragten Gespräche über die Frage, mit welchen Mitteln Störche im Nahbereich des Flughafens vergrämt werden können. Es wird darüberhinaus versucht, das Flughafengelände weniger attraktiv zu machen, zum Beispiel über eine Eindämmung des Nahrungsangebotes. Im Gegenzug sollen dafür gezielt Flächen außerhalb sicherheitsrelevanter Bereiche angeboten werden. Für den absoluten Ernstfall, also eine Situation in der einem Flugzeug während der Start- oder Landephase trotz aller getroffenen Maßnahmen ein konkretes Vogelschlagrisiko droht und die Flugsicherheit nur durch den Abschuss gewährleistet werden kann, werden in diesem Rahmen auch die artenschutzrechtlichen Gegebenheiten geprüft. Prof. Priebs: „Ein Abschuss von Störchen ist artenschutzrechtlich grundsätzlich nicht zulässig. Wenn der angekündigte Antrag des Flughafens kommt, werden wir die rechtlichen Möglichkeiten und Grenzen intensiv prüfen“. Die wachsende Storchenpopulation in der Region Hannover gilt als Indikator für eine intakte Umwelt und Artenvielfalt. 51 mit Brutpaaren besetzte Nester hat der Weißstorchenbeauftragte der Region Hannover im Jahr 2015 gezählt. Dieses Ergebnis bezeichnet Priebs ausdrücklich als Erfolg für den Naturschutz.

Der Weißstorch ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) streng geschützt. Mit der wachsenden Population geht besonders im sicherheitsrelevanten Nahbereich des Flughafens Langenhagen ein erhöhtes Vogelschlagrisiko für den Luftverkehr einher. Grundsätzlich bietet das Flughafengelände in Langenhagen ein reiches Nahrungsangebot. Da Störche teilweise an den Umgang mit Menschen gewöhnt sind, gestaltet sich die Vergrämung über Maßnahmen bis hin zum Einsatz von Schreckschusspistolen oftmals schwierig. Aufgrund verschiedener Vorfälle ist diese Herausforderung für die Sicherheit des Luftverkehrs in diesem Sommer wieder verstärkt in den Blick geraten. "Es geht hier um eine verantwortungsvolle Regelung für einen Ernstfall, die Rechtssicherheit schafft. Einen Freibrief zum Töten von Störchen wird es mit mir nicht geben", betonte Priebs.

Quelle: Pressemitteilung Nr. 376/2015 der Region Hannover

Laubfrösche rufen in der Region Hannover

rufender Laubfrosch, R. StankewitzSeit Mitte April läuft die Laubfroschsaison auf Hochtouren. Um den Flughafen rufen inzwischen in 16 der 27 vom NABU Langenhagen betreuten Gewässer Laubfrösche. Besonders schön: Ein Gewässer in Heitlingen, welches als Verbindung zwischen der  Garbsener und der Langenhagener Population von großer Bedeutung ist, wurde in diesem Jahr besiedelt.

Viele Informationen, zu Laubfröschen und anderen Amphibien können Sie auf der Projektseite zum landesweiten Amphibienschutzprojekt
»Ein König sucht sein Reich« unter www.laubfrosch-hannover.de finden
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