NABU zeigt  Zuversicht in der allgemein ablehnenden Haltung zum Leinesee-Plan

Waldemar Wachtel

Nach diversen Gesprächen in dieser Woche mit Regions- und Kommunalpolitikern aller
Fraktionen zeigt sich doch eine immer größere Bereitschaft, die Anliegen der
Naturschutzverbände NABU und BUND, der Bürgerinitiative Seelze/Letter (BI),weiteren
Gruppen und insbesondere der vielen Bürger der Anrainergemeinden in ihren Begehren zur
Ablehnung des völlig überflüssigen Leinesee-Konzeptes zu unterstützen.
Insbesondere die Großen Bürgerbeteiligungen bei den Leinesee-Präsentationen und der
verheerenden Ablehnung fast aller anwesenden Bürger in Letter, Seelze und Garbsen sowie
der Kommunalparlamente in Garbsen und Seelze hat zu dieser Konsequenz mit
beigetragen, teilt Waldemar Wachtel, 1. Vors. NABU Stadtverband Garbsen und
Regionalverband Hannover mit.
Erst am 06. u. 07. 01.14, nach Sitzungen mit weiteren Ausschuss- und Regionspolitikern u. a.
im Regionsgebäude, konnte Wachtel diese Überzeugung mitnehmen.
Allerdings warnt er auch davor, sich frühzeitig und selbstgefällig zurückzulehnen.
Schließlich haben sich ausgerechnet der Regionspräsident Hauke Jagau (steht erneut zur
Wahl) und der damalige Oberbürgermeister von Hannover, Stephan Weil, beides Partei-
Genossen von Walter Richter, Leinebogen e. V. für das Projekt offen gezeigt. Da sie die
Meinung der Volksmehrheit offensichtlich nicht so sehr interessiert, wurden Sie auch nie in
einer der Versammlungen gesichtet, geschweige haben sich nie öffentlich geäußert.
Dies bedauern die Vertreter der Anti-Leinesee-Initiatoren und viele Bürger. Eine klare
Positionierung wäre hier ratsam.
In einer solch wichtigen Sachfrage sollte ohne Fraktionszwänge, über Parteigrenzen hinaus,
die mehrheitliche Meinung der Bürger erkannt werden und der Sachverstand entscheiden.
Insbesondere unter der Prämisse, dass die Herren Walter Richter und Peter Grobe lange
behaupteten, dass Kommunen und Bürger nicht belastet werden. Allerdings nach bohrenden
Fragen erstmals in Seelze zugeben mussten, dass die Kommunen mit vielen Millionen Euro
belastet werden können. Ein Schelm, der sich böses dabei denkt, siehe Flughafen Berlin,
Nürburgring/Rheinland Pfalz , Elbphilharmonie/Hamburg u. viele andere. Dies wären
unerträgliche Mehrbelastungen für die Steuerzahler, für uns alle.

Was spricht gegen das Seen Projekt?
*Verlust der Retentionsflächen mit eventuell verheerenden Folgen für die Anrainergemeinden,
 die teilweise in die Hochwasser-Schutzzonen wider besseren Wissens Bauleitplanungen und
 Flächenversiegelungen geplant und gestattet haben.  
 Die verheerenden Verluste haben wir im Osten, Norden u. Westen noch alle vor Augen. Die
 Extrem-Wetterlagen sollen sich weiter verschlechtern.
 Bei einem Aufstau von nur 50 cm werden bebaute Flächen in Gümmer und Seelze überflutet.
 Es müsste ein neues Hochwassermodell (HQ 100) für die Leine berechnet werden. Bezogen
 auf die zu erwartenden starken Klimaveränderungen sehen manche auch die Notwendigkeit
 des Modells HQ 150-200.
*Im Gesamtareal sollen bis zu 9 Altablagerungen und 7 Verdachtsflächen liegen. Sie dürften
 nicht  überflutet werden. Die Kosten für die Untersuchungen sind nicht abzuschätzen.
*Die Verlegung von vorhandenen Leitungstrassen von Abwasser, Klärschlamm, zwei
 Gasleitungen und eine Treibstoffleitung (Kerosin) von Letter zum Flughafen Langenhagen
 müssten verlegt werden. Geschätztes Kostenvolumen ca. 80 Mio. Euro.
*Verlust von 600-900 ha gewachsenen Landschaftsräumen für die Naherholung, die Natur- und
 Umwelt: Drei Landschaftsschutzgebiete (LSG), besonders geschützte Biotope nach § 30
 BNatSchG wie feuchte Senken (Urzeitkrebse),  oder Altarme (Bp. Leineschleife Hubbelsche).
 Alle Handlungen, die hier zur Zerstörung oder erheblichen Beeinträchtigungen führen können,
 sind  verboten.
*Höchste Schutzpriorität hat das FFH-Gebiet 90 (Flora Fauna Habitat) „Aller mit Barnbruch,
 untere Leine, untere Oker“, das im Landes-Raumordnungsprogramm (LROP) 2008 als
 Vorranggebiet Natura 2000 festgelegt wurde (Landesziel). 
*Verlust besonders geschützter Tierarten wie die letzten Urzeitkrebse in der südlichen
 Leineaue bei Garbsen, Bibervorkommen entlang der Leine, Feldlerchen, Kiebitze, 
 Rebhühner, Rastplätze vieler Zugvögel etc.
*Hier greift die artenschutzrechtliche Regelung der §§44ff BNatSchG. In weiteren Verfahren
 kämen hier artenschutzrechtliche Kompensationsmaßnahmen (CEF=Maßnahmen zur
 dauerhaften Sicherung der ökologischen Funktion)
*Unerlaubter Verlust (heutiger Wert mehrere hunderttausend Euro) von naturschutzrechtlichen
 Kompensationsflächen früherer Eingriffe  (Bahntrasse zur EXPO 2000, Ausbau des
 Mittellandkanals, Produktenleitung).
*Ausgleichsflächen in den gigantischen Ausmaßen dieses Projektes, bei minimaler
 Berechnung von ca. 900 ha sind nicht zu realisieren, da nicht verfügbar. Insbesondere nicht,
 da für die Verdrängung landwirtschaftlicher Flächen von zusätzlich mehr als 1000 ha weiterer
 Flächenbedarf besteht (gesamt rund 2000 ha).
*Der See mit seiner völlig anderen Bedeutung könnte kaum als Teil einer Ausgleichsfläche
 anerkannt werden.
*Der Leinesee würde auch eine Gefahr durch Fernwirkung für das in der südlichen Leineaue
 (Laatzen) gelegene FFH-Gebiet Nr. 344 zw. Hannover u. Ruthe bewirken. Insbesondere bei sehr
 starken Schneeschmelzen und dem Verlust noch heute hier vorhandener Retentionsflächen.
*Das Projekt stünde auch den EU-Wasserrahmenrichtlinien (unzulässige Verschlechterung des
 Gewässerzustandes der Leine) entgegen.
*Hinzu kommen die Gefahren der riesigen Mengen kontaminierter Leinemasch-Böden der
 tieferliegenden Segmente, die eine Gefahr für die Anrainer bilden (eigene Erfahrung/Teich).
*Zugesagte Arbeitsplätze wurden bisher nur in wenigen Fällen wirklich realisiert.

*Vision 2016-2025: Mittlere Leineaue zum einem Naturerlebnisraum entwickeln (wie südl.
 Leineaue), Zulassung von Sukzessionsflächen und Kleingewässer. Finanzierung aus Teilen
 von  Ausgleichsflächen/Finanzierungspool sowie mit Unterstützung der Region u. den
 Anrainer-Kommunen. Einbindung der Landwirte, da landwirtschaftliche Flächen an anderen
 Standorten gesicherter wären.

Waldemar Wachtel bittet die Bürger, die bisher für die Leineauen mit Ihren Natur- und
Naherholungspotentialen sowie die bisher intakten Vernetzungsstrukturen von Neustadt über
Garbsen und Hannover bis Laatzen in die südliche Leineaue eintraten und für volle Hallen
sorgten, die BI und Naturschutzverbände am 14.01.14 um 16:00 Uhr mit ihrer Anwesenheit im
Regionsgebäude, Hildesheimer Str. 18, 30169 Hannover zu unterstützen und ihre ablehnende
Haltung zu dokumentieren.

Mit freundlichen Grüßen

Waldemar Wachtel

1. Vors. NABU Stadtverband Garbsen u. NABU Regionalverband Hannover.
Beratendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt u. Stadtentwicklung u. im Kuratorium Klimaschutzregion Hannover.             

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